Kreis-Anzeiger vom 10.04.2022

Sie werben für Blühstreifen in der freien Natur und in Hausgärten (v.l.):

Sebastian Scheid, Vorsitzender des Vereins Naturschutz Düdelsheim,

Biobauer Rolf Röse, Werner Luft und Gartenarchitektin Kerstin Renner. © Georgia Lori

Wildblumen im Hausgarten tragen viel zum Erhalt der Insektenwelt bei. Davon wiederum profitiert die Vogelwelt. Um dem Insektenschwund entgegenzuwirken, hat der Verein Naturschutz Düdelsheim jetzt am Findörfer Hof Saatgut für den privaten Bereich verteilt und stand Interessierten mit Rat und Tat zur Seite.

Sebastian Scheid, Vorsitzender des Vereins Naturschutz Düdelsheim, stand am Samstag Rede und Antwort während einer Saatgutverteil- aktion am Findörfer Hof. Um dem Insektenschwund entgegenzuwirken, stellt die Firma Saaten Zeller Saatguttütchen der mehrjährigen Sorte »Veitshöchheimer Bienenweide« zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus über 40 bienen- und insektenfreundlichen Kultur- und Wildpflanzen, die das ganze Jahr über die nützlichen kleinen Helfer anziehen.

Wenn man etwas für Insekten- und Vogelwelt tun wolle, sollte man regionale Saatgutmischungen verwenden, so Scheid, denn diese enthalten ausschließlich Arten, die an die jeweiligen Standorte und Klimabedingungen angepasst sind. Blühpflanzen sollten außerdem stets stehen bleiben, damit das Niederwild Deckung hat und Insekten überwintern können. »Ich fände es interessant, wenn es gelänge, eine Biotopvernetzung für die komplette Fläche der Landesgartenschau hinzubekommen, die auch nachhaltig sein sollte«, sagte Scheid.
Sandlinsen für Wildbienen

Die Gartenarchitektin Kerstin Renner informierte über Blühmischungen für Hausgärten. »Es gibt in Deutschland 550 heimische Wildbienenarten. Dreiviertel der Arten sitzen im Boden. Es gibt verschiedene Maßnahmen, die man im eigenen Garten umsetzen kann, um die Bienen zu unterstützen«, sagte Renner. Sie nannte die Anlage von Benjeshecken mit Ablagerungen von Gehölzschnitt, Steinhaufen oder Sandlinsen, weil die Bienen dort nisteten. Steinhaufen böten fast allen Reptilienarten und vielen Kleintieren wichtige Verstecke, mikroklimatisch günstige Sonnenplätze, Ablageplätze für deren Eier sowie Winterquartiere. Sehr wichtig sei es zudem, die Stängel wie etwa von Stauden oder Kräutern erst Ende März abzuschneiden und nicht schon im Herbst im Garten aufzuräumen, da besonders in den Stängeln viele Insekten überwinterten. Deshalb seien die Saatenmischungen oft auch mehrjährig. In Steinhaufen könnten sich auch Zauneidechsen tummeln. Allein 70 Wildbienenarten bevorzugten Löwenzahn, weshalb es auch Bereiche mit Löwenzahn und Brennnesseln geben sollte.

Auf heimische Arten achten

Bei der Pflanzenauswahl sollte man auf viele heimische Blühpflanzen achten und auf solche mit Früchten, von denen auch Vögel und Haselmäuse profitieren könnten. Gute Bienenweiden für den Balkon seien Sonnenblumen, Kräuter wie Thymian, Majoran, Oregano und Lavendel. Jede Pflanze werde von anderen Insekten bevorzugt.
Leonille Fürstin zu Ysenburg und Büdingen zeigte ebenfalls Interesse an der Veranstaltung, da sie einen Teil ihres Gartens am Wohnhaus als Blumenwiese anlegen möchte. Es sehe schön aus und sei für die Bienen sinnvoll. Sie liebe Farben. Je bunter,desto besser. »Lavendel und Sonnenblumen in den Farben blau und gelb sind sogar meine Familienfarben. Das passt«, sagte sie.

Wie Kerstin Renner erläuterte, sollte der Boden vor der Einsaat eine feinkrümelige Struktur aufweisen. Pro Quadratmeter genüge ein Gramm Saat. Bei vorhandenem lehmigem Boden könne Sand untergemischt werden. Auch Blumeninseln seien eine sinnvolle Anlage, konträr zu großen Flächen. Der Biobauer Rolf Röse aus Bleichenbach brachte vor ein paar Jahren als Pionier Wildsaaten in die Region. Einen Eindruck von seinem Blühacker konnte man sich mittels Fotografien verschaffen, die Kerstin Knaf vom Fotowerk Büdingen auf dem Findörer Hof zeigte. »Ich war einer der Ersten, der die Wildblumen auf seinen Äckern ausgesät hat«, sagte Röse. Die damalige Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich habe seinen Acker in Bleichenbach besichtigt. So sei das Interesse für die Wildblumen geweckt worden. Sein Ziel sei es, dass diese Wildblumen auf den Stilllegungsflächen der Bahn ausgesät würden.

»Im Rahmen unseres Vereinsförderprogramms unterstützen wir generell Vereine in der Region, die ehrenamtlich tätig sind. Ich unterstütze auch gerne persönlich den Verein mit einer Spende«, sagte Petra Kalbhenn, vom Vorstand der VR-Bank Main-Kinzig-Büdingen.

Der Düdelsheimer Werner Luft machte deutlich, dass an vielen Feldrändern und Gärten umweltbewusste Landwirte, Jäger und Vereine dem Aufruf der Umweltverbände gefolgt seien und Blühstreifen für die Insektenwelt angelegt hätten. Dem sichtbaren Rückgang der Insekten-und Vogelwelt soll so entgegengewirkt werden. Mittlerweile würden in einigen Kommunen sogar innerorts auf ausgesuchten öffentlichen Plätzen wie etwa an der Berliner Straße in Büdingen ganzjährig Blühstreifen und Blühbeete angelegt, was große Akzeptanz in der Bevölkerung finde.
Dorfverschönerung in Düdelsheim

»Dieses Vorhaben wäre auch für Düdelsheim ein beispielhafter Beitrag zum dringend notwendigen Insekten- und Vogelschutz und gleichzeitig wichtig für die Dorfverschönerung«, sagte Luft. Derart ausgesuchte Plätze könnten am Kindergarten, Steinweg, bei der Schule oder auf Parkstreifen an den Ortseinfahrten sein. Die Vorbereitung und Einsaat sollte mit fachgerechter Beratung und Unterstützung erfolgen. Vereine, Schule, Kindergarten, Ortsbeirat, Ortslandwirt und Privatpersonen könnten sich an der Aktion beteiligen. Die Betreuung sollte nach Zeit- und Pflegeplänen erfolgen.

Der Verein Naturschutz Düdelsheim besteht aktuell aus 250 Mitgliedern. davon sind 20 aktiv. Als nächste Veranstaltung des Vereins ist für Donnerstag, 26. Mai (Himmelfahrt) ein Hoffest am Findörfer Hof geplant.

 

Die »Veitshöchheimer Bienenweide« enthält Saatgut für den Hausgarten. © Georgia Lori

 


Kreis-Anzeiger vom 23.03.2022

Andreas Mohr und die Mitglieder der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord, Hans Hess, Hegegemeinschaftsleiter Ulrich Imhof, Magnus Sinsel und Michael Obermeier (v. l.). FOTO: MOHR

Kleine Feldhühner, große Aufgabe:

Büdinger Jäger setzen sich für Rebhuhn ein

Als hochbedrohten Charaktervogel unserer Feldflur bezeichnet die Deutsche Wildtierstiftung das Rebhuhn. In der Region setzt sich Andreas Mohr aus Düdelsheim für den Erhalt des Rebhuhns ein.

Die Veränderungen seines Lebensraumes, der Feldflur, haben dazu geführt, dass das Rebhuhn in Europa erheblich zurückgegangen ist und zu den gefährdeten Arten gehört. Da es aber dem Jagdrecht unterliegt, setzen sich Jäger in verschiedenen Revieren für den Erhalt der Rebhühner ein. Ein Aufwand an Zeit und Geld, an dessen Ende nicht die Jagd als Lohn steht, sondern der Anblick dieser interessanten Feldhühner.

Balzrufe aus dem Handy

Ein Kämpfer für den Leitvogel der bedrohten Offenlandarten ist »Rebhuhnvater« Andreas Mohr aus Düdelsheim, der sich mit seiner Familie in seinem Revier Gettenau/Heuchelheim seit 2014 für das Niederwild einsetzt. Diese Maßnahmen waren Anlass für den Leiter der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord, Ulrich Imhof, sie den Mitgliedern der Hegegemeinschaft vorzustellen. Sie wurden von Andreas Mohr und seinem Sohn Max zum »Verhören« des Rebhuhns eingeladen. Die Zeit passte, denn bis Ende März sind die Jägerinnen und Jäger in der Abenddämmerung unterwegs, um die kleinen Feldhühner zu zählen. Das Rebhuhn hat Paarungszeit. Mit dem Balzruf eines vermeintlichen Kontrahenten, der aus einem mobilen Lautsprecher oder Handy ertönt, hoffen die Jäger auf die Antwort eines echten Rebhahns. Auch in der Hegegemeinschaft Büdingen-Nord nimmt man an der flächendeckenden Wildzählung des Landesjagdverbandes teil, trifft dort aber nur selten auf Rebhühner.

Umso interessanter wurde es für die Jäger bei der Rebhuhnbestätigung im Revier Gettenau/Heuchelheim, als der Balzruf des Rebhahns aus dem Handy erklang. »Es war beeindruckend, zu sehen, was man mit positiven Hegemaßnahmen erreichen kann«, erklärte Ulrich Imhof. »Überall waren Rebhühner und es meldeten sich mehrere Hähne.« Andreas Mohr bestätigte: Begonnen habe er bei der Revierübernahme mit zwei Rebhuhnketten (so nennt man eine Rebhuhnfamilie). Mohr, mittlerweile landesweit mit dem von ihm initiierten Rebhuhn-Hegering Wetterau bekannt, »wollte sehen, ob mit klassischen Hegeinstrumenten ein nennenswerter Niederwildbesatz erzielt werden kann«. Nach acht Jahren kann er 27 Ketten mit über 400 Rebhühnern bestätigen. Und bejagt sie trotzdem nicht.

Die Rolle der Blühstreifen

Andreas Mohr schildert: Damit das Rebhuhn in den heimischen Feldern überleben kann, müssen drei Faktoren stimmen: Nahrung, Deckung und der Schutz vor Beutegreifern. In den Revieren des Rebhuhnhegerings Wetterau unterstützen die Jäger die Rebhühner durch Aufstellen von speziellen Futtereimern, insbesondere in den kargen Wintermonaten und in den Zeiten der Kükenaufzucht bei der Suche nach Nahrung. Damit ausreichend schützende Deckung vorhanden ist und die Rebhühner ihre Gelege an einem sicheren Ort ausbrüten können, werden in den Revieren Blühstreifen angelegt und Flächen brach liegen gelassen. Die zum Teil bunt blühenden Flächen locken zudem zahlreiche Insektenarten an, die in den ersten Lebenswochen eines Rebhuhnkükens überlebenswichtig sind. Doch auch der schönste Blühstreifen und die Unterstützung bei der Nahrungssuche helfen nicht, wenn die Rebhühner oder ihre Gelege von Beutegreifern wie Fuchs, Waschbär oder Marder gefressen werden.

Die Jäger stellen jedes Jahr fest, dass Rebhuhnpaare, die ihr Gelege in Hecken oder Blühstreifen anlegen, oft keine Küken groß bekommen. Diese Strukturen werden von allen Fressfeinden bevorzugt kontrolliert und die Gelege gefressen. Je kleiner und seltener solche Blühstreifen sind, desto häufiger werden sie in der Nacht von den Fleischfressern nach Beute abgesucht. Aus Ergebnissen der Göttinger Rebhuhnforschung gab es den Hinweis, dass mit zunehmender Flächengröße des Blühstreifens und zunehmender Häufigkeit in einem Revier der Räuberdruck nachlässt.

Versuch über fünf Jahre

Seit Herbst 2020 nehmen einige Landwirte mit Ackerflächen in Mohrs Revier für fünf Jahre an einem Versuch mit großen Blühflächen teil. Dieser Versuch wird vom Land Hessen finanziert. Die Rebhühner nehmen dieses Angebot bereitwillig an. Davon konnten sich die Mitglieder der Hegegemeinschaft an diesem Abend überzeugen.

Ob die Rebhühner dort von den Räubern nicht gefunden werden und erfolgreich ihre Gelege ausbrüten können, bleibt abzuwarten. Mohr hat in der Nähe solcher Blühstreifen seine Beobachtungshochsitze aufgestellt, um im Juli und August dort die Küken zählen zu können.

Für viele andere Bodenbrüter ist das Risiko, gefressen zu werden, mindestens ebenso groß, wie für die Rebhühner. Aus diesem Grund wurde das Naturschutzgebiet Bingenheimer Ried jetzt vom Land mit einem dichten Maschendrahtzaun und mit stromführenden Litzen auf einer Fläche von 85 Hektar so dicht eingezäunt, dass die Tiere dort ihre Nachkommen ungestört aufziehen können. »Solch optimalen Schutz vor Fuchs, Waschbär und anderen Fleischfressern mit Haaren können wir im Feld nicht leisten«, erklärt Andreas Mohr.

So bleiben nur einfachere Hegemaßnahmen, um den Tieren zu helfen. Eine dieser Maßnahmen ist die Notfütterung mit Getreidemischungen aus speziellen Futtereimern. Es ist bekannt, dass optimal ernährte Vögel den Räubern besser entweichen können.

Tieren fehlt das Futter

Im Vergleich zu den 50er Jahren fehlen den Tieren heute etwa 250 Kilo pro Hektar an Getreidekörnern, die bei der Ernte verloren gehen, und an Sämereien, die entlang von Feldern und Wegen damals noch vorkamen. Für das Revier Gettenau/Heuchelheim wären das jährlich etwa 125 Tonnen. Dieses Futter steht heute nicht mehr zur Verfügung, weil die Wegränder gemulcht und die ausgefallenen Getreidekörner meist innerhalb weniger Tage nach der Ernte eingegrubbert werden.

Wenn nun jährlich acht Tonnen Futter von den Jägern über die Futtereimer ausgebracht werden, ist das dennoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, andererseits aber auch eine mühselige und teure Aufgabe.

von Hans-Dieter Stehr

 


Kreis-Anzeiger vom 3. März 2022

Krokusse, früh im Jahr, wie hier im Garten von Werner Luft, sind ein erweitertes Nektar- und Pollenangebot für Hummeln. © Georgia Lori

Einer, der vor der Haustür über Jahrzehnte viele kleine Naturschutzprojekte angestoßen hat, ist Werner Luft aus dem Büdinger Stadtteil Düdelsheim. Er schlägt vor, auch innerorts Blühstreifen anzulegen.

Die Schönheit der Natur beginnt auch in der Region vor der Haustür. Eine intakte Natur ist die Grundlage, um die Klimakrise zu stoppen. Fördergelder in Verbindung mit der Landesgartenschau im Jahr 2027 sind eine Chance, kleine und große Projekte anzustoßen, die nachhaltig wirken. Doch die meisten Menschen scheuen es, sich bei großen Projekten zu beteiligen.

Der heute 83-jährige Werner Luft aus Düdelsheim war von 1985 bis 2007 Vorsitzender der Natur- und Vogelschutzgruppe Düdelsheim. Im Jahr 2000 erhielt er den Umweltschutzpreis des Wetteraukreises. Heute betreibt Luft Naturschutz im eigenen Garten.

Täglich in Feld oder Wald unterwegs

In seinen aktiven Jahren verging kein Tag, an dem man Luft nicht im Feld oder im Wald antraf. Er scheute auch nicht die Auseinandersetzung mit politischen Verbänden und Vertretern, wenn es um den Naturschutz ging. Früh erkannte er, dass es notwendig war, im Wald südlich von Düdelsheim Nistkastenreviere einzurichten. Unter seinem Vorsitz legte der Verein auch Feuchtbiotope an, kaufte oder pachtete Grundstücke und pflanzte Obstbäume. Arbeit gab es immer - und die Pflegemaßnahmen setzen sich bis in die Gegenwart fort. 18 Monate lang bauten die Vereinsmitglieder die Schutzhütte am Waldrand, die 1973 eingeweiht wurde. Seit 2012 wurde das Projekt »Blühende Feldwege« auf einer Länge von acht Kilometer forciert, um den Lebensraum von Insekten, Bodenbrütern und Niederwild zu verbessern. Heute haben sich die Prioritäten verschoben. Ackerflächen werden mit Bienenweide und Blühmischungen eingesät, um auch regional gegen das weltweite Insektensterben anzukämpfen. Der dramatische Schwund der Fluginsekten hat besonders dem Mauersegler zugesetzt, der sich ausschließlich von Insekten ernährt. »Durch die Nisthilfen ist es mittlerweile gelungen, den Mauersegler wieder heimisch zu machen«, sagt Luft.

Viele Themen der Vergangenheit wirken in der Gegenwart nach. So sind der Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen auch heute aktuell. Und das dramatische Insektensterben ist seit Jahrzehnten bekannt. Dieses Thema könnte mit ausgesuchten Flächen und der Anlage von Blühstreifen in Düdelsheim zu einem Beitrag für die Landesgartenschau 2027 werden.

Nicht nur im Garten oder im Feld

»Ich halte es für eine gute Idee, nicht nur im eigenen Garten oder im Feld, sondern auch innerorts auf ausgesuchten, öffentlichen Rasenplätzen in Düdelsheim Blühstreifen oder Blühbeete anzulegen«, sagt Luft. Flächen müssten noch ausgewiesen werden. Als Stellen würden sich der Fußweg an der Seemenbachstraße, der Steinweg, der Kindergarten oder Parkstreifen an den Ortseinfahrten von Lindheim, Büches und Orleshausen eignen. Laut Luft hat sein Nachbar, der Naturschützer Andreas Mohr, der in Düdelsheim ein Büro für Umweltplanung betreibt, mit dem Ortslandwirt Heinrich Schmück bereits Ackerrandstreifen vorbereitet. Laut Luft müssen die Samen von den Landwirten nicht jedes Jahr eingesät werden, da es mehrjährige Blühmischungen gibt. So könnten ab März blaue Traubenhyazinthen und Küchenschellen als frühe Nahrungsquelle für Wild- und Honigbienen dienen.

Lufts Beobachtungen in der Natur dienen auch den Singvögeln. So stellten Werner Luft, Karl Heinrich Hinkel und Ulrich Borst im Sommer vergangenen Jahres eine in Eigenregie gefertigte »Pfahltränke« neben dem Brunnen auf dem Friedhof auf einem Pfahl auf, der Schutz vor Räubern bietet. Sie besteht aus einer auf dem Mast fixierten und einer losen Schale zum Wasserwechsel. Diese Idee wirkt dem Rückgang der Singvögel entgegen. In Düdelsheim gibt es noch zahlreiche Refugien mit einer Vielzahl an Vogelarten, wie der Düdelsheimer Friedhof, der unterhalb des Vogelschutzgebietes »Weinberg« liegt. Bis zu 30 Prozent aller Brutvogelarten sind rückläufig, davon 34 Prozent Feldvögel. Zu den Ursachen gehören die Klimaerwärmung, der Verlust von Wildblumen und Insekten durch Monokulturen, die Beseitigung von Nistmöglichkeiten oder die Ausbringung von Spritzmittel der industriellen Landwirtschaft.

Bei einem Rundgang durch seinen Garten weist Luft auf zahlreiche Insektenhotels hin. Die Vielfalt reicht von kreativen Einzelbauten bis hin zu bearbeiteten Baumscheiben, die an verschiedenen Ecken des Gartens aufgestellt oder aufgehängt wurden. »Die künstlich geschaffenen Überwinterungshilfen für Insekten könnten mit Kindern in Schulen und Kindergärten gebaut werden«, sagt Luft und weist darauf hin, dass Wildbienen in seinen Kästen überwintern. Unweit eines Zwetschgenbaumes fällt ein Wildblumenbeet auf, das bereits eingesät ist. An den Ästen des Baumes sind Nist- und Futterhilfen angebracht.

Krokusse als Schlemmerbuffet

Zwei Kästen für Fledermäuse befinden sich unter dem Dach des Wohnhauses von Luft. »Sie wurden bisher leider noch nicht angenommen«, sagt er und zeigt beim Rundgang auf größere und kleinere Flächen von Krokussen, die sich wild ausgesät haben und bereits Farbkleckse auf dem grünen Rasen bilden. Früh im Jahr sind sie ein erweitertes Nektar- und Pollenangebot für Hummeln.

Mit der Verschönerung ihrer Gärten könnten die Bürger in den Kommunen in Oberhessen ihren Teil zur Landesgartenschau beitragen, findet Luft. Nicht nur die Zusammenarbeit im ländlichen Gebiet werde so gefördert, sondern es würden auch neue, kreative Projekte angestoßen und realisiert. Naturschutz vor der Haustür, in und für die eigene Kommune könnte als kleiner Beitrag für ein großes Projekt zur überregionalen Akzeptanz der Gartenschau beitragen. VON GEORGIA LORI

 

 


Wer ruft denn da? Kreis-Anzeiger vom 4.2.2022

 

- Nisthilfen für den Waldkauz -  

 

Ein heimliches nächtliches »Huu-u-huhuhuhu« oder »Kuwitt« ertönt seit einigen Wochen im Düdelsheimer Wald und schallt über das Hinterfeld, dem Düdelsheimer Ortsteil Oberdorf. Es sind die Balzrufe des Waldkauzes, wie Vogelkundler Werner Luft erkennt, und sie klingen für den Düdelsheimer wie klagende Hilferufe des Nachtvogels.

 

Im Zusammenhang mit den Eulen spricht Werner Luft in einer Pressemitteilung von Wohnungsnot. Hilfreich wären der Bau und das Anbringen von Brutkästen. »Fast alle Höhlenbrüter wurden Opfer des Baumsterbens. Sie haben wegen der Trockenheit der Sommer in den Jahren 2019 und 2020 vielfach ihre gewohnten Nistmöglichkeiten verloren«, erklärt Luft. Über Monate hinweg mussten von Mitarbeitern von Hessen Forst großflächig die vom Borkenkäfer befallenen Fichten gefällt und entsorgt werden.

 

So entstanden Kahlflächen, die geeignete Lebensräume für Fraßschädlinge wie zum Beispiel die Rödelmaus darstellten. Gerade dort kann der Waldkauz als Regulator in Aktion treten und den Einsatz chemischer Mittel vermeiden helfen, so der Experte. Um das Habitat des Waldkauzes zu verbessern, baute Werner Luft mehrere Brutkästen für diesen bedrohten Vogel. Im Einvernehmen mit dem zuständigen Revierförster Clemens Fischer haben Aktive des Düdelsheimer Naturschutzvereins die neuen Nisthilfen an geeigneten Stellen im Wald aufgehängt.

 

Verwitterte Naturkästen aus Baumstämmen wurden im Vereinsraum ausgebessert, um sie später in den gleichen Revieren wieder anzubringen. Insgesamt 13 Eulenkästen sind zur Zeit auf eine vier Quadratkilometer große Waldregion verteilt und mit weiteren Nisthilfen wie Meisenkästen in einer Revierkarte markiert.

 

Unterstützung bekam Werner Luft vom Vorsitzenden des Düdelsheimer Naturschutzvereins, Sebastian Scheid, und weiteren Revierbetreuern. Die Düdelsheimer Natur- und Vogelschützer hoffen, dass diese Nisthilfen sowohl den Eulen als auch der Waldentwicklung zugute kommt.

 


Apfelbäume für die Region Kreis-Anzeiger 30.11.2021

Vertreter der Obst- und Gartenbauvereine aus Düdelsheim und Wolf sowie ein Vertreter des Vereins Naturschutz Düdelsheim halfen Vorstandsmitglied Petra Kalbhenn bei der Gewinnausgabe. FOTO: VR BANK

Wetteraukreis (red). Über Äpfel aus dem eigenen Garten - darauf können sich bald 300 Kunden der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen freuen. Aus einer Vielzahl von Teilnehmern an einer Verlosungsaktion wurden jetzt die glücklichen Gewinner gezogen. Ihren Apfelbaum holten sie sich anschließend persönlich ab.

Ob in Langenselbold, Altenhaßlau, Nidda oder Büdingen - dort warteten regional typische und der heimischen Kulturlandschaft angepasste Hochstämme auf ihre neuen Besitzer. Goldparmäne, Kaiser Wilhelm, Rheinische Schafsnase oder auch Berner Rosenapfel, so hießen nur einige der verlosten Sorten.

Alle Hände voll zu tun hatten Petra Kalbhenn und Lars Schurich, Vorstandsmitglieder der VR Bank Main-Kinzig-Büdingen, bei der Gewinnausgabe in Büdingen und Altenhaßlau. Tatkräftig unterstützt wurden sie an den Ausgabestellen im Geschäftsgebiet von den Mitarbeitern der Marketingabteilung. Fachkundige Hilfe bekamen die Banker von Mitgliedern der ortsansässigen Obst- und Gartenbauvereine. Sie informierten die Sieger über die Pflanzung, die Pflege, den Schnitt und die Ernte und hielten auch noch den einen oder anderen Tipp bereit.

»Mit dieser Aktion setzen wir ein weiteres Zeichen für Nachhaltigkeit«, betonte Petra Kalbhenn. Mit Blühflächen-Patenschaften, speziellen Bienensaatmischungen und Hochbeeten für die Kindergärten unterstütze die Main-Kinzig- und Oberhessen-Bank bereits nachhaltiges Engagement in der Region. Gemeinsam mit 300 Kunden aus dem gesamten Geschäftsgebiet lasse die VR Bank Main-Kinzig-Büdingen nun Zukunft wachsen und Apfelbäume erblühen.


Monika Eichenauer schrieb am 30.10.2021 im Kreisanzeiger:

 

DÜDELSHEIM (co).  Am 13. November 1987 wurde auf Anregung des damaligen Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden Werner Luft die Frauengruppe der Natur- und Vogelschutzgruppe Düdelsheim gegründet und seither von Christa Pfeiffer geleitet. Doch nach 33 Jahren hörte die Naturkundige Ende vergangenen Jahres auf. In den über drei Jahrzehnten wurde die mittlerweile fast 84-Jährige ausser von vielen Mitstreiterinnen auch von ihrem gleichaltrigen Mann Helmut bei den vielfältigen und kontinuierlichen Aktivitäten der Frauengruppe des Vereins Naturschutz Düdelsheim, wie er seit März 2017 firmiert, tatkräftig unterstützt. Zu ihrer Verabschiedung, die erst jetzt beim „Lipp“ in Lindheim stattfand, dankten ihr Vereinsvorsitzender Sebastian Scheid, der gesamte Vorstand und die Frauen herzlich und überreichten dem Ehepaar Präsente. Der Dank der naturkundigen Düdelsheimerin ging an alle Helfer und Helferinnen in dieser langen Zeit. Sie bedauert allerdings, dass sich noch keine Nachfolgerin -  oder ein Nachfolger - gefunden hat.

Als die Pfeiffers Anfang der 1980er Jahre aus Frankfurt nach Düdelsheim zogen, schlossen sie sich gleich den Naturschützern an. Zunächst leitete die frühere Zahnarzthelferin die Jugendgruppe, dann die Frauengruppe. Sie und Helmut sagen mit strahlenden Gesichtern: „Wir  haben das sehr gerne gemacht, weil wir selbst Freude dran hatten. Es war immer schön und wir haben viel gelernt“. Da ist es keine Frage, dass die Pfeiffers bei ihrem Haus einen richtigen Naturgarten haben, der vielen Schmetterlingen, Insekten und Kleintieren Quartier und Nahrung bietet. Die Naturforscherin kennt jede Menge Blumen, Kräuter, Vögel, Schmetterlinge und hat unzählige fotografiert, ebenso wie ihr Mann auch. Die Leser des Kreis-Anzeigers haben in den vergangenen Jahren schon viele ihrer schönen Fotos in der Zeitung sehen können.

Beim Rückblick auf die 33 Jahre gerät Christa Pfeiffer ins Schwärmen -  über all das, was die Frauen gemeinsam unternommen, gesehen und gelernt haben genauso wie über die lange Gemeinschaft, denn etliche Frauen sind von der Anfangszeit bis jetzt dabei geblieben und hatten erst ihre Kinder und nun schon ihre Enkel dabei. Anfangs trafen sich die Frauen, zunächst 18, doch die Gruppe wuchs rasch auf 30 Mitglieder an, im damaligen Restaurant Lindenhof. Es ging um Informationen zur gesunden Ernährung, um Kräuter, Koch- und Backrezepte und umweltfreundliches Haushalten. Exkursionen in die Düdelsheimer Gemarkung, Beobachtung und Erfassung der heimischen Wildblumen und der Insekten- und Vogelwelt kamen ebenso dazu wie Tipps zur naturnahen Gartengestaltung. Eine ganz frühe Mitstreiterin war die vor etwa 20 Jahren verstorbene Heidi Berg. Mit ihr ist Christa Pfeiffer durch die Wiesen gezogen und auf den Düdelsheimer Hausberg „Die Steinern“ gegangen, gegenseitig haben sie sich mit Fachbüchern in der Hand vor Ort alles über Schmetterlinge, Insekten, Vögel und Blumen beigebracht: „Wir wollten alles wissen“. Später fanden viele Treffen im Bauernhof von Hilde Schmid statt: „Da wurde auch gesungen und es gab Kaffee und Kuchen“. Kaffee und Kuchen oder eine andere Verköstigung gab es bei allen Exkursionen, denn die naturkundige Frauengruppe begab sich auf vielerlei stets themenbezogene Wanderungen und Ausflüge in die Umgebung von Düdelsheim und in die weitere Region. Fahrer der Gruppe waren meist Helmut Pfeiffer, Werner Luft und Gerd Roder.

Die Exkursionen führten die Frauen in den Vogelsberg, die Rhön, den Spessart, zum Ziegenhof nach Gomfritz bei Schlüchtern mit Verköstigung von Käsespezialitäten. Die Gruppe war im Büdinger Wildpark und im Garten Kölsch unterwegs, wanderte zum Glauberg und zu den Teichen im Düdelsheimer „Suder“, wurde durch die Frankfurter Parkanlagen und den Hessenpark bei Neu-Anspach geführt, lernte mit Karl Hermann Heinz aus Stockheim, Spezialist für die heimische Natur und hervorragender Naturfotograf, Biotope und Geotope der näheren Region kennen, war mit Natur- und Kulturführerin Annette Miksch am Limesturm in Rommelhausen unterwegs und hörte Vorträge zur natürlichen Salbenherstellung von Naturführerin Beate Schubert. Unvergessen sind auch Feiern in der Vogelschutzhütte am Waldrand, die Fahrt mit dem Frankfurter „Ebbelwei-Express“, die  Besichtigung des Früchteteppichs im Bad Soden-Salmünsterer Ortsteil Mernes und die Schachbrettblumenwiese im Spessart. Alle Exkursionen sind mit Fotos und Anschauungsexemplaren bestens dokumentiert. „Ich könnte ein Naturkunde-Museum aufmachen, weil mich das wahnsinnig interessiert. Man freut sich einfach drüber. Ich hab' ein total erfülltes Leben“, sagt sie mit einem Lächeln, „und hab' meinen Mann mit reingezogen“.

Angesprochen auf den Wandel in der Natur in den 33 Jahren entfährt es  Christa und Helmut Pfeiffer gleichzeitig: „Der ist drastisch!“. Der sukzessive Rückgang der Vielfalt der Natur stimme sehr bedenklich. Die hervorragende Schmetterlings- und Insektenkennerin hat „seit Jahren keine Huflattichmöttchen, Federmöttchen, bestimme Bläulinge und viele andere Insektenarten mehr gesehen. Auch die Vögel sind signifikant zurückgegangen, wir haben im Garten nur noch Rotkehlchen, Amseln und Spatzen. Das waren vorher viel mehr Arten“. Laut Nabu betrage der  Vogelartenrückgang über 40 Prozent, schildert die Düdelsheimerin. Ihr Mann ergänzt: „Vor allem die Waschbären haben zugenommen und machen wahnsinnig viel Brut kaputt“. Auch die Pfeiffers haben den ungebetenen Gast direkt am Haus. Hoffnung gibt ihr allerdings die Bepflanzung von Feldwegrändern und Ackerstreifen mit Blumen als Bienen- und Insektenweide.    Doch nicht nur die Natur liegt dem Ehepaar, das früher auch auf einigen Trekking-Touren in Südamerika, im Himalaya und Südafrika unterwegs war, am Herzen, sondern auch die Geschichte der Region. Das ist vor allem Helmuts Beritt, der auch schon vor vielen Jahren bei Ausgrabungen am Glauberg mitgeholfen hat.

 

FOTO: Monika Eichenauer

Christa Pfeiffer hat 33 Jahre lang die Frauengruppe des Vereins Naturschutz Düdelsheim geleitet.

Sie und ihr Mann Helmut sind engagierte Naturkenner- und schützer.



Kreis Anzeiger 30.01.2021


Neue Wochenpost 13.01.2021